| Wellness in der Servicewüste
Wellness beschränkt sich mittlerweile nicht mehr auf Hotels und Badezusätze, sondern macht mobil. Denn moderne Verkehrsmittel müssen dich heute nicht nur von A nach B bringen, sondern den Anspruch einer beweglichen Wohlfühlzone vermitteln. Ich kann mich nicht erinnern, wann es begann, dass die Vorzüge eines Fahrzeugs über seine technischen Fähigkeiten hinaus auf innere Werte übergingen. Beim Auto auf Polster, Belüftung, Luftfeuchtigkeit, elektrische Fensterheber usw. Ich weiß nur noch, dass wir uns damals ziemlich amüsiert haben, als wir in einem Magazin die BMW-Reklame lasen, in der auf die Stauqualität des Fahrzeugs hingewiesen wurde. Die Firma, die mit dem Slogan "Freude am Fahren" wirbt, verkaufte nun "Freude am Stehen". Aber wer an gewissen Wochentagen in bestimmte Gegenden Deutschlands mit dem Auto unterwegs ist, steht tatsächlich oft mehr, als dass er fährt. Darum bevorzuge ich an diesen Tagen die Bahn … Es ist Freitagnachmittag. Ich muss nach Bad Hohdenlohse. Dort soll ich am Abend die Kurgäste erheitern. Deshalb sitze ich nun entspannt in der Bahn. Ich sitze immer entspannt in der Bahn, weil das bedeutet, dass ich den Zug bekommen habe, den mir der Veranstalter gebucht hat. Ab jetzt kann nur noch die Art von Schicksalsschlägen meine pünktliche Ankunft aufhalten, die ich nicht selbst verschulde. Ich lehne mich zurück und reflektiere meine Wellness-Erfahrungen der letzten Wochen. "Man muss Körper, Geist und Seele in Einklang bringen, damit man nicht bekloppt wird", fasse ich im Geiste Doktor Dunns Erläuterungen zusammen. Bekloppt wird man durch negativen Stress wie grundlose Vorwürfe, den hilflosen Versuch, das Unabänderliche zu beeinflussen, am Schicksal zu zweifeln - also zum Beispiel durch Stau auf der Autobahn. Deshalb also: Bahn. |