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Nach einem Gläschen Wellnesswein beginne ich, mich stadtfein zu machen, weil ich endlich meine neuen Sonnengläser mit integrierter Lesebrille in Empfang nehmen kann. Während ich das Gesicht mit allerlei bedecke, was Frau von Welt so trägt, und in meine sündhaft teure Jeans klettere (der Hersteller bezeichnet sich in aller Bescheidenheit als "wahre Religion"), merke ich, dass diese Hose etwas enger sitzt, als sie sollte. Ich muss mir selbst gestehen, dass ich in den letzten zwei Wochen mit schlechtem Gewissen, aber ebenso großer Begeisterung dreimal in einem US-amerikanischen Spezialitätenlokal mit gelbroter Dekoration diniert habe … Der Begriff "Frittenländer" schießt mir wieder in den Kopf. Vielleicht bin ich der Prototyp seiner Einwohner: In allem, was ich tue, folge ich hauptsächlich meiner Lust. Und vor allem gehe ich davon aus, dass dieser Anspruch richtig ist, dass er von allen akzeptiert wird und keine Folgen hat (zum Beispiel zu enge teure Hosen). Immerhin hat die Europäische Wellness Union (EWU) den drei klassischen Bereichen - körperliche Fitness, geistige Beweglichkeit, seelische Belastbarkeit - der Frittenländermentalität entsprechend folgende Luxus- und Lustaspekte hinzugefügt: positive Arbeitseinstellung, harmonisches Privatleben und im Einklang mit der Umwelt. |